Wildvogel gefunden, was nun?
Wichtiger Hinweis
Diese Hinweise ersetzen keine tierärztliche Behandlung. Bei Verletzungen, Katzenkontakt, Blutungen, Knochenbrüchen, neurologischen Symptomen oder starker Schwäche sollte immer fachkundige Hilfe eingeschaltet werden.
Erste Hilfe für gefundene Vögel
Ein gefundener Vogel braucht nicht immer menschliche Hilfe. Viele Jungvögel verlassen das Nest, bevor sie perfekt fliegen können, und werden weiterhin von den Eltern versorgt. Eingreifen sollte man aber immer dann, wenn das Tier verletzt, geschwächt, unterkühlt, apathisch oder in unmittelbarer Gefahr ist.
Allgemeine Erstversorgung bei einem gefundenen Vogel
Bringen Sie den Vogel zuerst aus der Gefahrenzone, zum Beispiel von der Straße, aus Reichweite von Katzen oder aus einem stark frequentierten Bereich. Gehen Sie ruhig vor und vermeiden Sie unnötigen Stress.
Setzen Sie den Vogel anschließend in einen stabilen Karton oder eine Transportbox mit Luftlöchern. Der Boden sollte mit einem weichen Handtuch oder Küchenpapier ausgelegt sein. Der Karton sollte dunkel, ruhig und zugluftfrei stehen. Bitte verwenden Sie bei Wildvögeln nach Möglichkeit keinen Käfig, da sich die Tiere darin verletzen können.
Wärme, Ruhe und Sicherheit
Viele geschwächte Vögel stehen unter Schock oder sind unterkühlt. Wärme ist dann wichtiger als Futter oder Wasser. Eine handwarme Wärmflasche, ein Körnerkissen oder eine Heizmatte kann unter einen Teil des Kartons gelegt werden. Der Vogel muss aber immer die Möglichkeit haben, sich von der Wärmequelle wegzubewegen, falls es zu warm wird.
Der Karton sollte an einem ruhigen Ort stehen. Kinder, Haustiere, Lärm und häufiges Nachsehen bedeuten zusätzlichen Stress.
Nicht füttern und kein Wasser einflößen
Bitte geben Sie dem Vogel nicht vorschnell Futter oder Wasser. Bei Schock, Unterkühlung, Schwäche oder neurologischen Auffälligkeiten kann Nahrung oder Flüssigkeit verschluckt werden und in die Atemwege gelangen. Das kann lebensgefährlich sein.
Auch scheinbar naheliegende Futtermittel wie Brot, Milch, Katzenfutter, Hackfleisch, Regenwürmer, Mehlwürmer oder ungeeignetes Nestlingsfutter können schweren Schaden verursachen. Die richtige Nahrung hängt stark von der Vogelart und vom Entwicklungsstadium ab.
Wann fachkundige Hilfe nötig ist
Bitte kontaktieren Sie möglichst schnell eine vogelkundige Tierarztpraxis, Wildvogelpflegestelle oder erfahrene Auffangstation, wenn der Vogel:
- sichtbar verletzt ist, blutet oder von einem Tier angegriffen wurde,
- nicht stehen, laufen oder fliegen kann,
- stark aufgeplustert, apathisch oder ungewöhnlich ruhig wirkt,
- taumelt, kippt, sich im Kreis bewegt oder orientierungslos erscheint,
- einen hängenden Flügel, ein nicht belastetes Bein oder eine Fehlstellung zeigt,
- mit einer Katze oder einem Hund Kontakt hatte,
- als Nestling aus dem Nest gefallen ist und noch keine ausreichende Befiederung hat.
Besonders nach Katzenkontakt ist schnelle Hilfe wichtig. Auch kleine, kaum sichtbare Verletzungen können gefährlich sein, da Bakterien aus dem Speichel zu schweren Infektionen führen können.
Nestlinge und unbefiederte Jungvögel
Unbefiederte oder nur wenig befiederte Küken können ihre Körpertemperatur noch nicht selbst halten. Sie kühlen sehr schnell aus und brauchen sofort Wärme.
Erste Unterbringung eines Nestlings
Für die vorübergehende Unterbringung eignet sich eine kleine Schüssel oder ein kleines Nestersatzgefäß, das mit weichem Küchenpapier ausgelegt wird. Darüber kann ein weiches, wärmendes Material gelegt werden, zum Beispiel ein Tuch, eine Wollsocke oder ein Stück Fleece. Das Küken sollte nicht auf glatten Flächen liegen, sondern stabil und leicht gestützt sitzen.
Dieses Nest kann in eine größere Box oder Wanne gestellt werden. Unter oder neben das Nest kommt eine Wärmequelle, etwa eine Wärmflasche oder ein Körnerkissen. Wichtig ist: Die Wärme darf angenehm handwarm sein, aber nicht heiß.
Feuchtigkeit gegen Austrocknung
Sehr junge Küken trocknen schnell aus, besonders nackte Hautbereiche. Eine leicht erhöhte Luftfeuchtigkeit kann helfen. Dafür kann ein feuchter Waschlappen neben das Nest gelegt werden, jedoch niemals direkt auf das Küken und nicht so, dass es nass wird.
Temperatur und Kontrolle
Das Nest sollte angenehm warm sein. Als Orientierung gilt: Erst wenn im Nest eine stabile, warme Umgebung erreicht ist, kann der Jungvogel dort hineingelegt werden. Bis dahin sollte er vorsichtig in der Hand oder am Körper gewärmt werden.
Bitte den Nestling nicht dauerhaft anfassen oder herausnehmen. So viel Wärme und Kontrolle wie nötig, aber so wenig Stress wie möglich.
Fütterung erst nach Artbestimmung
Vor der Fütterung muss geklärt werden, um welche Vogelart es sich handelt. Viele Singvögel benötigen in der ersten Lebensphase tierische Nahrung, vor allem frische Insekten. Andere Arten haben andere Anforderungen. Falsches Futter kann zu Verdauungsproblemen, Organschäden, Fehlentwicklungen oder Gefiederschäden führen.
Deshalb gilt: Erst sichern, wärmen und ruhig unterbringen — dann fachkundige Hilfe kontaktieren und die Art bestimmen lassen.
Tauben: Wann sollte eine Taube gesichert werden?
Eine gesunde Taube ist aufmerksam, hat glattes Gefieder, klare Augen und hält Abstand zum Menschen. Sie reagiert auf schnelle Bewegungen oder laute Geräusche und fliegt kräftig auf.
Nicht jede sitzende Taube braucht Hilfe. Gesichert werden sollte sie aber, wenn deutliche Anzeichen für Verletzung, Krankheit oder Schwäche vorliegen.
Tauben, die Hilfe brauchen
Bitte sichern Sie eine Taube, wenn sie:
- nicht mehr fliegen oder kaum laufen kann,
- sichtbar verletzt ist oder blutet,
- stark humpelt oder ein Bein gar nicht benutzt,
- einen Flügel hängen lässt oder über den Boden schleift,
- am Boden liegt oder sich kaum fortbewegt,
- stark aufgeplustert ist und Menschen sehr nah heranlässt,
- nur kurz, flach oder kraftlos auffliegt,
- orientierungslos wirkt, torkelt, taumelt oder umkippt,
- beim Fressen Probleme hat, Körner fallen lässt oder trotz Futter nicht frisst,
- längere Zeit regungslos an einer Futterstelle sitzt,
- am Boden schläft oder auffällig döst,
- sich in Ecken, Hauseingängen, unter Autos, Marktständen oder Gebüschen versteckt,
- verschnürte Füße hat, zum Beispiel durch Fäden, Haare oder Schnüre.
Bei verschnürten Füßen ist oft besondere Vorsicht nötig. Manche betroffene Tauben können noch gut fliegen, obwohl sie dringend Hilfe brauchen. Hier kann eine erfahrene Einfanghilfe sinnvoll sein.
Taube richtig sichern
Setzen Sie die Taube in einen stabilen Karton oder eine Transportbox mit Luftlöchern. Legen Sie den Boden mit einem Handtuch oder Küchenpapier aus. Der Karton sollte ruhig, dunkel und sicher stehen.
Bitte auch bei Tauben nicht sofort füttern oder Wasser einflößen, besonders wenn das Tier geschwächt, verletzt, unterkühlt oder neurologisch auffällig ist. Nach der Sicherung sollte möglichst zeitnah eine fachkundige Stelle kontaktiert werden.
